Interview: Entscheidend sind Mischung und Balance

Anja Zerbin, Leitung CDO Digital Culture bei der Postbank, berichtet im Vorfeld des Kommunikationskongresses über ganz unterschiedliche Reaktionen auf die digitale Transformation, über individuelle Formate und die wirklich wichtigen Fragen.

Frau Zerbin, auf dem diesjährigen Kommunikationskongress werden Sie zum Thema Digitale Transformation referieren. Das Konzept der Postbank dazu heißt „Transform the Core“. Was steckt dahinter?

Bei der Postbank bin ich für den Bereich „Digital Culture“ zuständig – die vierte Säule unserer Digitalisierungsstrategie. Als solche ist es unsere Aufgabe, die Notwendigkeit einer Veränderung hin zur digitalen Transformation zu kommunizieren und eine digitale Kultur im Unternehmen zu verankern. Wie wollen wir zu dieser digitalen Kultur gelangen? Wie befähigen wir die Menschen, diesen Weg mitzugehen? Unsere Ansätze dazu haben wir unter dem Dach „Transform the Core“ angesammelt.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Konzept?

Die Notwendigkeit und Vorteile einer Digitalen Kultur bekannt zu machen. Und damit eben auch die Notwendigkeit zu einer Veränderung. Das machen wir, in dem wir aufklären, also Wissen vermitteln, neues Arbeiten erlebbar machen, Unterstützung bei der Gewöhnung an die neuen Methodiken anbieten, und schließlich Menschen miteinander vernetzen. Dazu verwenden wir verschiedene Formate, die allesamt ineinander übergreifen. Dabei kommt es auf den richtigen Mix zwischen Vorträgen, eigenem Erleben und Lernen an.

 

Können Sie einige Beispiele nennen?

Einmal ist da zum Beispiel das Format der Expedition. Dabei können Kollegen mit einer Idee außerhalb ihrer Linie, ihres Arbeitsbereichs zu uns kommen. Der Kollege mit der Idee sucht sich dann – sozusagen als Expeditionsleiter – ein Team und führt, durch uns begleitet, sein Projekt aus. So liefert er einerseits einen Mehrwert für das Unternehmen und lernt andererseits, auf welchen Prinzipien agiles Arbeiten tatsächlich basiert.

Ein weiteres interessantes Format, das vorrangig der Vernetzung dient, ist „Digitalk“: Hier laden wir Experten ein, die etwas zum Thema Digitale Transformation zu sagen haben – nicht unbedingt im Sinn der richtigen Strategie, Struktur oder Kultur, sondern auch aus ganz anderen Blickwinkeln. Wie kann man künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft einsetzen? Wie geht lebenslanges Lernen? „Digitalk“ ist ein Format, bei dem man einmal ganz andere Impulse erhält – und bei dem sich Menschen miteinander vernetzen können.

Entscheidend ist bei diesen und anderen Formaten die Mischung: Die richtige Balance zwischen Wissenstransfer, Unterhaltung, Vernetzung und Erlebbarem muss immer gewahrt sein.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit diesem Konzept gemacht? Welche Reaktionen gab es darauf?

Es ist ja so: Am Ende des Tages sind wir alle Menschen und finden nicht alle das Gleiche toll. Auch verstehen wir nicht alle gleich schnell, was für uns relevant ist. Dementsprechend fielen auch die Reaktionen auf das Konzept gemischt aus. Da gibt es diejenigen, die sich selbst für das Thema Digitale Transformation interessieren. Diese „Early Adopter“ sind natürlich immer ganz vorne dabei und verstehen den Gedanken hinter all unseren Maßnahmen. Dann gibt es natürlich die große Masse – ihnen müssen wir Sinn und Zweck unseres Ansatzes erst näherbringen. Wir mussten lernen, dass wir das „warum“ – also die wichtigste Frage – verschiedenen Personen unterschiedlich erklären müssen. Was ist eine digitale Kultur? Wozu brauchen wir sie? Warum muss jemand vielleicht sogar sich selbst und sein Verhalten ändern, sein Selbstverständnis überdenken? Die Antworten auf diese Fragen individuell zu vermitteln, war vielleicht die größte Herausforderung. Wirklich jedem klar zu machen, was auf ihn zukommt und wie er sich dafür am besten wappnen kann – das hat die verschiedensten Reaktionen hervorgerufen – von Applaus bis zur Frage, warum für so etwas Geld ausgegeben wird.

 

Das Fokusthema des diesjährigen Kommunikationskongresses ist „Zeit“. Was verbinden Sie damit?

Ich finde das Thema „Zeit“ spannend: Auf der einen Seite gibt es ein Gefühl von Langfristigkeit. Andererseits assoziiere ich damit das Rennen gegen die Zeit, das Halten-Wollen dieser wertvollen Einheit. Welchen breiten Kanon an möglichen Themen dieser Fokus bietet, ist für mich persönlich sehr interessant. Und ich hoffe, dass auch ich mit dem, was ich weitergeben möchte, die Zeit und Aufmerksamkeit meiner Kollegen nicht stehle!