Interview: Job Swap – Über den Tellerrand des eigenen Tuns schauen

Für kurze Zeit mit einem anderen Kommunikator den Job tauschen? Anja Kroll, Kommunikationsmanagerin für Corporate Strategy und Innovation bei Axa, hat es im Frühling dieses Jahres ausprobiert. Welche Erfahrungen sie dabei gemacht hat und was sie anderen rät, die einen Job Swap in Erwägung ziehen, erzählt sie im Interview.

 

Frau Kroll, beim diesjährigen Kommunikationskongress werden sie über Job Swaps referieren. Inwiefern ist das ein Kommunikationsthema?

Ein Job Swap kann sicherlich auch für Menschen außerhalb der Kommunikationsbranche spannend sein. Insbesondere ist es aber auch für Kommunikatoren bedeutsam, regelmäßig über den Tellerrand der eigenen Branche und des eigenen Tuns zu schauen. Als Kommunikationsexperte ist es ja auch eine wichtige Kompetenz, das Thema Vernetzung voranzutreiben – nicht nur zu Journalisten, sondern auch zu anderen Kommunikatoren. Im Alltag bleibt dafür oft nicht sehr viel Zeit. Ein Job Swap ist daher eine tolle Möglichkeit, in wenigen Tagen viele Impulse mitzunehmen. Auch wenn der Tauschpartner beispielsweise in einer ganz anderen Branche tätig ist, setzt man sich doch oft mit ähnlichen Aufgabenstellungen auseinander.

 

Sie selbst haben für kurze Zeit ihren Job mit Michaela Schwinge aus der Unternehmenskommunikation der Telekom getauscht. Wie kam es dazu?

Das hat sich auf einer Quadriga-Konferenz ergeben – dort habe ich Michaela kennengelernt. Tatsächlich hatte ich das Format Job Swap zuvor gar nicht auf dem Schirm, habe nicht aktiv nach einem Tauschpartner gesucht. Auf der besagten Konferenz ging es um CEO-Kommunikation – damit haben wir beide in unserem Beruf zu tun. In einer der Pausen kamen wir darüber ins Gespräch. In diesem Rahmen fiel dann auch das erste Mal der Begriff Job Swap. Wir fanden das beide sehr spannend und nahmen uns vor, im Austausch zu bleiben. Einige Monate später trafen wir zufällig wieder aufeinander – diesmal bei einem After Work der Telekom. Das war dann sozusagen der Wink des Schicksals und wir nahmen den Gedanken, für ein paar Tage die Jobs zu tauschen, direkt wieder auf. (lacht)

 

Wie lief der Job Swap dann tatsächlich ab?

Im Frühjahr dieses Jahres war es endlich so weit. Ursprünglich hatten wir eine längere Zeit, etwa zwei Wochen, dafür eingeplant. In der Praxis hat sich das als schwer umsetzbar herausgestellt, denn die Themen, mit denen wir täglich zu tun haben, drehen sich in unserer Abwesenheit natürlich weiter. Unsere Jobs sind beide sehr zeitintensiv, verlangen uns viel ab. Irgendwann haben wir das Programm also etwas gestrafft und auf zwei Mal drei Tage verkürzt.

An den tatsächlichen Job Swap sind wir sehr fokussiert herangegangen: Wir haben uns absichtlich dafür entschieden, den Tausch nacheinander statt parallel durchzuführen. Auch die Zeiträume haben wir sehr bewusst ausgewählt und darauf geachtet, dass während dieser Zeit beispielsweise wichtige Events stattfinden, die wir so ähnlich auch aus unserem jeweiligen eigenen Job kennen. So hatte ich beispielsweise die Chance, bei der Bilanzpressekonferenz und einem CEO Town Hall dabei zu sein. Dem anderen dabei über die Schulter zu schauen, kann für den eigenen Berufsalltag sehr hilfreich sein. Insofern war der Job Swap zwar recht kurz, fand aber zum idealen Zeitpunkt statt.

 

Warum hat das Thema Job Swap Sie gereizt – welche Erwartungen hatten Sie daran?

Besonders reizvoll fand ich, mir einmal die Kommunikation in einer anderen Branche anzusehen. Außerdem handelt es sich bei der Telekom in Bonn um die Unternehmenszentrale, von der aus die komplette globale Kommunikation gesteuert wird, während es sich bei AXA in Köln um eine Ländereinheit handelt – wie man den Kommunikationsfluss in einem so viel größeren Rahmen koordiniert, fand ich sehr spannend. Schließlich haben wir aber festgestellt, dass wir – trotz verschiedener Branchen, Teamgrößen und Budgets – oftmals an ganz ähnlichen Fragestellungen arbeiten.

 

Warum würden Sie anderen Kommunikatoren einen Job Swap empfehlen?

 Für mich selbst habe ich ein extrem positives Fazit daraus gezogen. Gerade im Sinn des lebenslangen Lernens – heute verändert sich Kommunikation ja so schnell wie gefühlt niemals zuvor – ist so ein Blick über den Tellerrand sicherlich nie verkehrt. Hat man den richtigen Tauschpartner gefunden, ist das dadurch gewonnene Netzwerk ebenfalls ein schöner Nebeneffekt.

 

Worauf sollten Kommunikatoren achten, wenn Sie einen Job Swap planen?

Zunächst einmal ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Man sollte überlegen, was man damit eigentlich erreichen will. Möchte man mehr über eine andere Branche erfahren? Vielleicht sogar innerhalb des eigenen Unternehmens in einen anderen Fachbereich hineinschnuppern? Helfen kann es auch, denn man vorher in Erfahrung bringt, welche Schwerpunkte den Tauschpartner jeweils interessieren. Möchte er zum Beispiel mehr über Social Media, Krisenkommunikation oder Medienanalyse erfahren? Auf diese Weise kann man Möglichkeiten schaffen, noch weitere Kollegen aus den jeweiligen Teams kennenzulernen und sich wiederum mit diesen auszutauschen. Diese Gelegenheit ist wirklich sehr wertvoll.

Besonders wichtig ist es auch, während des Jobtauschs zu 100 Prozent aufnahmebereit zu sein und sich nicht ständig mit dem eigenen Job zu beschäftigen. Man hat schließlich nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung – es wäre schade, nur mit halber Aufmerksamkeit dabei zu sein. Ich würde auch empfehlen, den Tausch zu dokumentieren, um im Nachgang die Möglichkeit zu haben, seine Erfahrungen mit Kollegen zu teilen und diese dann vielleicht auch zu einem Job Swap zu inspirieren.

 

Das Fokusthema des diesjährigen Kommunikationskongresses ist „Zeit“. Was verbinden Sie damit?

Das Thema hat natürlich wahnsinnig viele Facetten. Zeit hat man ja nie genug – die Anzahl der Kanäle, Themen und Akteure auf der Kommunikationsbühne wächst ständig. Insofern sind wir gerade in einer wahnsinnig spannenden Zeit unterwegs – das zeigt auch das Kongressprogramm.